03/2008 | TOUT VA BIEN MAGAZIN | Interview

Visual Gallery Photokina von Katharian Becker

Auf der „photokina“ 2008 in Köln ist der BFF Bund Freischaffender Foto-Designer in der „visual gallery" mit insgesamt sechs Ausstellungen vertreten. Eine Retrospektive zeigt Meisterwerke aus dem photographischen Schaffen von Thomas Hoepker. Zwei weitere Einzelschauen würdigen die Arbeiten von Esther Haase und Olaf Martens. Weitere Höhepunkte sind die Ausstellungen „Schöne neue Welt". die "BFF junior's annual show" zum Thema "Luxus", sowie die Präsentation der besten Hochschul-Abschlussarbeiten im Bereich Photographie, die mit dem „lnternationalen BFF-Förderpreis Et Reinhart-Wolf-Preis 2008" ausgezeichnet wurden. Dazu ein Gespräch mit Olff Appold. Vorstandsmitglied des BFF, und mit Barbara Burg, die in Zusammenarbeit mit Tania Reinicke die Ausstellung „Schöne neue Welt" konzipiert hat. OLFF APPOLD Worin sehen Sie die Bedeutung der „visua/ gallery"? Sind Ausstellungen im Zeitalter des omnipräsenten Internets überhaupt noch zeitgemäß? Durchaus. Ausstellungen bieten ja eine ganz andere Möglichkeit, Bilder und Serien wahrzunehmen. lm Internet, wenn man den Statistiken Glauben schenken darf, nimmt man Bilder ja nur für Sekundenbruchteile auf. Das hat also eine sehr starke Flüchtigkeit. Zudem bieten Ausstellungen natürlich die Möglichkeit, sich mit großformatigen Bildern auseinanderzusetzen, was das Internet nicht bieten kann. Photographieren ist heute - vor allem durch die technischen Möglichkeiten der Nachbearbeitung - ein bisschen zur „Allerweltskunst" geworden. Was müssen professionelle Photographen mitbringen, um sich zu unterscheiden? Die Nachbearbeitung, wenn sie denn funktioniert, ist sicherlich ein wichtiges Tool, um das Bild, was im Kopf entsteht, auszuformulieren und heraus zu arbeiten. Es birgt aber gleichzeitig auch eine große Gefahr, nämlich die, dass die digitale Technik der Nachbearbeitung die eigentliche Bildidee und die Bildsprache des Photographen in den Hintergrund drängt. Ich glaube eher daran. dass eine einfache, gut gemachte ldee ohne Nachbearbeitung viel mehr in den Menschen auslöst als ein Bild, das mit Ideen und digitalen Möglichkeiten überfrachtet ist. Sicher ist es für den Amateur durch die digitale Technik etwas leichter geworden, ein gutes Photo hin zu bekommen. Aber umso wichtiger ist für den Profi, einen scharfen Gedanken für sein Bild zu entwickeln, eine ldee zu haben und diese auf unverwechselbare Weise umzusetzen. Wohin geht Ihrer Meinung nach der Trend in der Photographie? Was sehr auffällig ist und als Trend eindeutig erkennbar, ist die Aufforderung, komplexere Bildsprachen zu entwickeln, für Auftraggeber, Agenturen und auch für Redaktionen. Was heißt das konkret? Eine Folge der Globalisierung ist z.B., dass Bildsprachen, die hier funktionieren, in Deutschland und in Europa, möglicherweise in arabischen Ländern oder in Asien nicht funktionieren. Nehmen wir z.B. die Bildsprachenkonzepte, die es im Bereich Modephotographie gibt. Die gehen so in der ganzen saudiarabischen Welt gar nicht, ganz einfach weil dort Menschen öffentlich nicht so dargestellt werden können. Die laufen mit Burkas rum und sind vermummt. Modephotographie so zu präsentieren wie bei uns ist nicht möglich. Man kann auch nicht mit erotischen Elementen spielen, wie sie bei uns beispielsweise in der Bade- oder Dessousmode gang und gäbe sind. Da muss man ganz andere Bildsprachen entwickeln, was ich sehr reizvoll finde. Die Ausstellung „BFFjunior? annual show" dreht sich dieses Jahr um den Begriff Luxus. Warum Luxus? Wie kam es dazu? Das Thema dieser Schau wird ja von den Junioren selbst vorgeschlagen. lch finde das Sujet Luxus sehr zeitgemäß und spannend, weil es genau betrachtet für jeden eine ganz andere Bedeutung hat. Für den einen ist es ein Spaziergang im Park, für den anderen ein tolles Auto, für den dritten bedeutet es einfach, Stille und Ruhe zu haben. Ich bin sehr gespannt auf die Ausstellung, die ich als Ganzes noch nicht gesehen habe.Es ist unglaublich erfrischend zu sehen, was sich die Junioren, die ja ganz am Anfang ihrer beruflichen Entwicklung stehen, erarbeitet haben. Preisverleihungen - auch in Kunst und Kultur - gibt es wie Sand am Meer Auch der BFF vergibt den BFF-Förderpreis & Reinhart-Wolf-Preis. Welche Bedeutung hat diese Auszeichnung? Was können, dürfen die Gewinner des Awards sich davon erhoffen? Preisverleihung bedeutet ja in diesem Fall vor allem Nachwuchsförderung. Zum ersten Mal bekommen junge Leute die Möglichkeit, ihre Arbeit auf breiter Ebene auf einer Vernissage zu präsentieren, vor geladenen Gästen, die aus großen Verlagen kommen, aus Agenturen und Redaktionen. Zudem haben sie eine Presse. Ganz konkret bedeutet es, unter Umständen einen ersten Auftrag zu bekommen. Es gab z.B. Preisträger, die ihre Diplomarbeit in einem großen Buchverlag oder in Magazinen veröffentlicht haben. Für mich persönlich, der sich über Jahre mit Photographie auseinandersetzt und gesetzt hat, ist die Ausstellung jedenfalls ein Höhepunkt im Programm der "visual gallery ". Photokunst hat einen unglaublichen Boom erlebt. Ist es aus Ihrer Sicht gerechtfertigt, dass Bildern beispielsweise von Thomas Struth oder Thomas Ruff für sechsstellige Summen gehandelt werden? Da lässt sich natürlich lange drüber diskutieren. Es gibt Leute, die halten es für ungerechtfertigt. andere wiederum finden es ganz wunderbar. Aus meiner Sicht sind solche Summen berechtigt, weil wir eben einen freien Markt haben. Und wenn ein Bild sein Fachpublikum gefunden hat, und ein Sammler bereit ist, solche Summen zu zahlen, dann nde ich das legitim. Abgesehen davon glaube ich sowieso nicht, dass gute Bilder sich in Zahlen ausdrücken lassen. Ein autarkes Bild ist unbezahlbar.